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Single-Mom werden: Ein Plädoyer für diesen Weg, wenn Mama werden der Traum No. 1 ist

Autorenbild: Anna BergmannAnna Bergmann

Was vor einigen Jahren gesellschaftlich noch undenkbar gewesen wäre, sickert heute hier und da mal in Medienberichten durch und wird auch nicht immer sofort stigmatisiert. Wir sind aber noch weit davon entfernt, Single-Elternschaft als gleichwertige und vor allem nicht gewertete Form der Elternschaft zu sehen, aber wenn ich während meiner KiWu-Reise eines gelernt habe, dann ist es folgendes: Es ist mir egal, was die anderen denken. Ich denke noch nicht mal, dass es mir egal sein muss, sondern dass es mir tatsächlich egal ist.


So habe ich mich besonders auch im Gespräch mit Single-Mamas-by-Choice auf der Messe in Berlin intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und viele positive Aspekte daraus gewinnen können, nicht zuletzt weil ich auch seit Geburt meines Sohnes alleinerziehende Mama bin und dies sogar geniesse.


Leben ist das was passiert, wenn man eigentlich gerade andere Pläne hatte.

Das trifft in vielen Fällen auch auf die Familienplanung zu. Meiner Meinung nach gibt es dafür nie den richtigen Zeitpunkt, aber sehr oft den falschen. Man hat nie für einen Plan im Leben Gewissheit, dass dieser funktionieren wird. Aber deshalb keine Pläne mehr zu haben, ist auch keine Option. Ich kann es verstehen, wenn man seinen Kinderwunsch nicht beliebig lange an einen künftigen, noch vollkommen ungewissen Partner binden will. Mehr noch, sollte sich dieser nicht wie geplant im Leben einfinden, gibt es dann oft weniger Optionen als zu einem früheren Zeitpunkt.


Aus meiner juristischen Tätigkeit habe ich von der Ehe einen sehr pragmatischen Eindruck bekommen, denn sie ist kein Geheimrezept und vor allem keine Garantie für eine gute Elternschaft.

Viel zu oft (und hier ist jeder Fall einer zu viel) habe ich gesehen, wie Kinder instrumentalisiert, zerrissen oder manipuliert wurden, um einen Rosenkrieg mit lauter vorprogrammierten Verlierern zu schmücken.

Die Stufe davor habe ich ebenfalls im Bekanntenkreis gleich mehrfach parallel erlebt: Die Ehe beginnt zu kriseln, dann kommt noch das zweite Kind als Beziehungsretter - der es aber nicht sein wird. Am Ende gibt es auch da nur Verlierer. Natürlich kann es bei Trennungen auch gut gehen und beide Elternteile kommen weiterhin auf einer guten Ebene miteinander klar, ohne Unterhaltsklagen, ohne Schikanen und zum Wohl der Kinder, aber in sehr vielen Fällen ist das nicht so.


Dann steht in der Praxis oft die Mutter plötzlich alleine da mit den Kindern - ohne Vorwarnung und ohne Vorbereitung. Sich dann allein durchschlagen zu müssen, wenn man eigentlich auf eine zweite Person vertraut hat, ist sehr schwierig und nicht ohne Entbehrungen zu schaffen. Man ist organisatorisch, beruflich, finanziell und emotional nicht auf diese Situation vorbereitet. Das Maximum was dann möglich ist, sind Kompromisse - meines Erachtens oft die schlechteren, als wenn man es anders plant...


Warum also nicht von Anfang an alles alleine planen?

Das ist gewiss eine Herkulesaufgabe, aber meiner Meinung nach sind Single-Moms von vornherein optimal vorbereitet, weil sie genau wissen, dass sie es alleine schaffen müssen. Sie können sich beruflich, finanziell und familiär ideal darauf vorbereiten und wissen gleich zu Beginn, was auf sie zukommt.


Die alleinige Verantwortung zu haben, ist natürlich eine grosse Aufgabe und kann einen auch überfordern. Sie kann aber - verglichen mit allen gescheiterten Beziehungen - auch ein Segen sein, wenn man sich mit dem Ex-Partner nicht über Erziehungsfragen streiten muss, wenn sich keine neue Partnerin einmischt, wenn man alltägliche Fragen einfach alleine entscheiden kann und z.B. nicht durch hängige Verfahren beim Jugendamt in Fragen wie der Wahl der Kita behindert wird. Das kann auch unheimlich zermürbend sein.


Die alleinige Verantwortung zu tragen, heisst ja nicht automatisch, dass man mit jeder Entscheidung alleine ist. Obwohl ein Partner im Idealfall gut zu einem passt und einen gut ergänzen kann, gibt es je nach Situation auch Themen, bei denen einem der Partner nicht so gut weiterhelfen kann. Als Single-Mama kann man sich bei schwierigen Entscheidungen auch an andere Mamas, Freundinnen, Eltern wenden, die einem zur Seite stehen können.


Als alleinerziehende Mama geniesse ich diese Vorteile enorm, gerade weil ich so viele andere Beispiele kenne. Ich stelle von vornherein gar nicht den Anspruch, dass ich mein Leben so weiterführen kann wie vorher, denn das ginge auch mit einem Partner nicht. Aber habe ich nicht ewig lange auf dieses Wunschkind gewartet? Ist es nicht genau das, was ich so lange haben wollte? Deshalb trauere ich keinem Mädelsabend nach, an dem ich in diesen Jahren nicht teilnehmen kann, denn alles hat im Leben seine Zeit und jetzt ist die Zeit, abends zuhause zu bleiben und mit meinem Kleinen Lego zu spielen. Ich hätte schlicht gar nicht das Bedürfnis, auf Konzerte, Parties oder ins Fitness zu gehen, nur um genauso weiterzuleben wie vor dem Kind, denn ich habe mich bewusst dafür entschieden. In meinem Umfeld sehe ich aber viele Paare, die genau das machen und ihren Partner vor allem als Kinderbetreuung für ihre Lebensfreiheit sehen und genau diese Beziehungen sind schnell zum Scheitern verurteilt. Wenn man sich also für die Mutterrolle entscheidet, weil man darin aufgeht und sie mit voller Liebe leben möchte (und das Kind nicht einfach ein Accessoire wie viele andere wird), dann kann man das auch alleine schaffen.


Statt jahrzehntelang auf den idealen Partner zu warten, der dann evtl. nicht kommt, finde ich es eine sehr ansprechende Idee, alleine Mama zu werden. Schnell kommt dann der Einwand, dass man dem Kind ja den Vater vorenthalten würde. Hier bin ich anderer Meinung. Ein gutes Aufwachsen in einem gefestigten Umfeld geht auch ohne Vater bzw. besser, wenn das Umfeld eben gefestigt ist und nicht später durch eine Trennung belastet wird.


Einen Vater zu haben, heisst noch lange nicht, dass dieser auch zur Verfügung steht.

Hier gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, wie man zu einem Spender kommt, die nicht alle anonym sein müssen. Von offenen Spendern bis Co-Parenting gibt es viele Optionen. Generell würde ich aus ethischen und juristischen Gründen eine offene Spende empfehlen, wobei das Kind später einmal selbst entscheiden kann, ob es den Spender kennenlernen möchte. Auch wenn man dies als Mutter nicht so wichtig findet, muss hier zwischen den Interessen der Mutter und jenen des Kindes unterschieden werden. Diese Chance auf die Kenntnis der eigenen Abstammung sollte einem nicht von vornherein genommen werden - ob man sie dann tatsächlich nutzt, oder ob sich im Verlaufe des Lebens weitere Optionen ergeben (z.B. nachträgliche Adoption durch einen späteren Stiefvater) kann man offen lassen.


Alternativ dazu gefällt mir die Option ganz gut, wenn man seinem Kind männliche Mentoren zur Seite stellt, ähnlich wie einem Patenonkel, die aber eine spezifische Aufgabe haben, als Ansprechpartner für verschiedene Lebensfragen zur Verfügung zu stehen. Bei der Auswahl der Taufpaten wird leider viel zu oft jemand gewählt, der einfach aufgrund des Verwandtschaftsgrades berücksichtigt wird, aber nicht aus der Optik des Kindes gewählt wird, ihm eine Begleitung im Leben zu sein. Fürs Leben kann man von vielen Menschen lernen, man muss dazu nicht blutsverwandt sein mit ihnen.


Am Ende können Single-Moms-by-choice vor allem eines: Ihrem Kind erklären, dass es unglaublich geliebt wird und dass sie alles dafür getan haben, dass es kommen darf und in einem liebenvollen und passenden Umfeld aufwachsen darf. Hier sind die biologischen Gegebenheiten für mich total zweitrangig, da sie eben keine Garantie für die genannten Faktoren sind.


Der Weg zum Kind als Single-Mama ist oft schwer und nicht selten liest man von Geschichten, in denen der Kinderwunsch auch sehr spät noch auf diese Weise in Erfüllung gehen sollte, jüngst z.B. Nova Meyerhenrich oder auch andere Prominente, welche dies als Option 2 gewählt haben. Dadurch wurde die Reise vielleicht unnötig schwer, weil sie noch länger auf den richtigen Moment warten mussten.


In der Gesellschaft ist dieses Modell mit so vielen Vorurteilen behaftet, ganz anders als bei Alleinerziehenden durch einen One-Night-Stand, eine Affäre oder nach einer Scheidung. Aber wo ist am Ende der Unterschied?

Frauen haben in der Geschichte schon so vieles geschafft und vor allem haben sie schon unter weit schlimmeren Bedingungen alleine Kinder aufgezogen - warum sollte das also heute nicht möglich sein?


Als negativen Tiefpunkt sehe ich in diesem Zusammenhang die Erfordernis der sogenannten "Gewährsperson", die in manchen Bundesländern erforderlich ist, um über die staatlichen Wege eine Samenspende zu bekommen. Die Gewährsperson ist eine Art Bürge, der für die werdende Mutter zu garantieren kann, sei es in finanzieller Sicht, aber auch in persönlicher Sicht, etwa wenn der Mutter etwas zustösst. Als Juristin kann ich über eine solche Anforderung nur den Kopf schütteln - noch dazu weil sie in Deutschland auf Länderebene geregelt ist. In einem Bundesland wird einem also eine alleinige Elternschaft zugetraut, wenige Kilometer weiter aber nicht?


Für mich liest sich diese Bestimmung wie eine Elternschaft zweiter Klasse, als wären Singlemütter nicht in der Lage, alleine für sich zu sorgen. Klar will sich der Staat gegen eine finanzielle Haftung stellen, da kein Unterhaltszahler vorhanden ist. Aber sind wir ehrlich: Wieviele bekannte Väter zahlen auch keinen Unterhalt? An wie vielen Stellen im Leben kommen Menschen ihrer Eigenverantwortung nicht nach, sei es weil sie dem Amt auf der Tasche liegen und sich einen Sch*** um einen neuen Job scheren, bei den Steuern betrügen oder sonst ungerechtfertigt der Allgemeinheit zur Last fallen - dies auf Singlemütter einzugrenzen finde ich sehr veraltet und einseitig. Gerade diese Frauen planen ihre Elternschaft oft weitaus zuverlässiger, als andere die in der Unterhaltsfalle landen, wenn der Ex nicht bezahlt. Nach meiner Ansicht geht es auf dem Amt niemanden etwas an, wie und warum die Elternschaft so zustandekommen soll. Schliesslich gibt es für Elternschaft auf natürlichem Wege auch keinen Führerschein - obwohl man sich da oft an den Kopf fassen muss...


Ist der Kinderwunsch mal in Erfüllung gegangen und passierte dies in einem guten Umfeld, kann Single-Elternschaft sogar eine riesige Chance sein, um später wieder eine Beziehung einzugehen, die dann eben gerade nicht durch den aufgeschobenen Kinderwunsch belastet wird.


Wir haben in der heutigen Zeit alle Möglichkeiten unser Leben zu leben und unserem Herzen zu folgen - wer sind denn die anderen, dies zu bewerten...

Du willst mehr wissen und suchst nach einer Strategie für deine individuelle Reise zum Wunschkind? Melde dich bei mir für ein unverbindliches Erstgespräch - ich freue mich auf dich!



 
 
 

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